
Thomas Lojek
Shane Foster:
Breaching für MIL, SOF und SWAT:
Improvisierte vs. kommerzielle Charges
Shane Foster ist Gründer und CEO der Guild Solutions Group.
Er ist Breaching Instructor, Veteran der USAF und ehemaliger Angehöriger von US Law Enforcement / S.W.A.T. Einheiten.
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Breaching: Kontext ist alles!
Kontext ist alles!
Am 8. Dezember 1969 fand einer der ersten Einsätze eines Teams statt, das als S.W.A.T. (Special Weapons and Tactics) bezeichnet wurde.
Bei diesem Zugriff kam es zu einer weiteren wegweisenden Entwicklung: dem Einsatz von Energetics (explosiven Materialien) zur Durchführung eines explosiven Breachings (Explosive Breaching) an der Kreuzung 41st Street und Central Ave.
Dies war — soweit bekannt — das erste dokumentierte explosive Breaching auf US-amerikanischem Boden.
Präziser formuliert: der erste dokumentierte Einsatz energetischer Verbindungen, um Zugang zu einem befestigten Objekt zu erzwingen.
1977 begann die systematische Erprobung an der Naval Explosive Ordnance Disposal Technology Division in Indian Head, Maryland.
Der wohl bekannteste Einsatz von Energetics erfolgte am 5. Mai 1980, als der britische Special Air Service (S.A.S.) während der Operation Nimrod die iranische Botschaft in London stürmte.
Warum dieser Kontext?
Er zeigt, wo alles begann, wie es sich entwickelt hat und wohin es geht.
Diese prägenden Ereignisse markierten den Beginn der modernen Methoden des energetischen Zugangs (Explosive Entry).
Heute — insbesondere nach der Entscheidung der National Tactical Officers Association, No-Knock-Durchsuchungsbefehle abzulehnen — müssen wir alle Aspekte des energetischen Breachings sorgfältig abwägen.
Während der Einsatz von Explosivstoffen im Inland kontrovers bleibt, wird gleichzeitig die Frage diskutiert, ob improvisierte oder kommerzielle Charges (Breaching Charges) die richtige Wahl sind.
Breaching: Welche improvisierten Materialien genutzt werden — und warum

Breaching: Die Vorteile improvisierter Charges (Improvised Charges)
– Pro: Kaum etwas spricht gegen „free99“-Materialien oder kostengünstige Optionen bei knappen Budgets. Budgetbeschränkungen sind landesweit Realität.
– Pro: Improvisierte Charges bieten nahezu unbegrenzte Modularität für ungewöhnliche Zielstrukturen.
Das fortwährende Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kriminellen und Einsatzkräften erfordert die Fähigkeit, auf dreifache Barrikaden, Stahlstangen oder mehrere Verriegelungen reagieren zu können.
– Pro: Sie sind weniger technisch anspruchsvoll, bieten eine größere Fehlertoleranz, bleiben aber wirksam.
– Pro: Sie wurden tausendfach eingesetzt und haben umfangreiche Datensätze erzeugt, die die Reproduzierbarkeit gewünschter Ergebnisse unterstützen.
– Pro: Improvisierte Materialien sind leicht verfügbar.
Das entspricht dem OCONUS-Mindset: Nutze, was vorhanden ist — und von allen Seiten.

Die Nachteile improvisierter Charges (Improvised Charges)
– Contra: Improvisierte Materialien durchlaufen selten systematische wissenschaftliche Testreihen.
Die verfügbaren Daten basieren überwiegend auf Trial-and-Error, was in rechtlichen Verfahren problematisch werden kann.
– Contra: Sie können inkonsistente Wirkungen erzeugen, da Herstellungsprozesse variieren und die Fehleranfälligkeit höher ist.
Schon das erneute Aufrollen eines Infusionsbeutels oder eine andere Materialmischung bei Firehose kann das Ergebnis verändern.
– Contra: Einige improvisierte Materialien bergen ein erhöhtes Risiko verletzender Fragmentation.
– Contra: Die Herstellung improvisierter Charges kann deutlich zeitintensiver sein. Wenn kurzfristige Lösungen erforderlich sind und fertig vorbereitete Charges fehlen, entsteht ein kritischer Zeitfaktor.
– Contra: Ohne konsequentes Grundlagen- und Fortbildungstraining steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit erheblich.
Falsche Schaumauswahl kann Brandrisiken erhöhen.
Gefährliche Tamping-Materialien können schwerwiegende Folgen haben.
Improvisierte Lösungen bieten zwar Flexibilität, erhöhen jedoch das Risiko, wenn ungeeignete Materialien verwendet werden.
Breaching: Die Vor- und Nachteile kommerzieller Charges (Commercial Charges)
Ein Blick auf die Entwicklung kommerzieller Lösungen ist ebenfalls wichtig.
Eine der ersten kommerziellen Charges entstand bei der Royal Canadian Mounted Police (R.C.M.P.) und wurde von David Hudak vermarktet — die Hydro Cut.
Sie setzte sich in Kanada und den USA aufgrund ihrer einfachen Montage, konsistenten Wirkung und der Reduzierung der Druckwelle durch Wasser-Tamping durch.
Später übernahm Gryphon Engineering die Produktion.
Heute ist die Charge als Gryphon Frame bzw. GBF-1VS bekannt.
Von frühen Pionieren wie Cherry Engineering bis zu heutigen Herstellern wie Omni, P3D, Esoteric und anderen stellt sich die Frage:
Warum benötigen wir kommerzielle Charges?

Die Vorteile kommerzieller Charges (Commercial Charges)
– Pro: Sie durchlaufen umfangreiche Testverfahren, die Funktion und Zuverlässigkeit dokumentieren.
– Pro: Sie erzeugen konstante Effekte, was eine klare, belegbare Position in juristischen Verfahren ermöglicht — inklusive technischer Herstellerrückendeckung.
– Pro: Die Konstruktionszeit ist deutlich kürzer.
Eine I.D.C. oder 7-5-7 benötigt rund 50 % mehr Zeit als eine BreachPop #1 von P3D.
– Pro: Die Reduzierung der Blast-Pressure-Exposition ist ein starkes Argument.
Weniger Energetics, integriertes Tamping — die Belastung für Teammitglieder sinkt erheblich.
Manche Systeme ermöglichen eine Reduktion um bis zu 80 % gegenüber improvisierten Varianten.
– Pro: Sie produzieren kaum oder gar keine verletzende Fragmentation — und bieten eine Tamping-Qualität, die improvisierte Lösungen deutlich übertrifft.
Die Nachteile kommerzieller Charges (Commercial Charges)
– Contra: Der offensichtlichste Nachteil sind die Kosten.
Die zentrale Frage lautet:
Kann ich im Falle eines Gerichtsverfahrens belegen, dass dies die bestmögliche Option war?
– Contra: Einige kommerzielle Varianten sind weniger robust und erfordern eine saubere, korrekte Konstruktion.
Ungeduld und Abkürzungen können das Ergebnis erheblich beeinträchtigen.
– Contra: Das Gewicht kann problematisch sein — Gel, Wasser und Kunststoff erfordern stabile Befestigungsmethoden.
Unabhängig vom Ansatz sollte jede Entscheidung anhand der S.O.P.’s (Standard Operating Procedures) und TTP’s (Tactics, Techniques, and Procedures) bewertet werden.
Eine Behörde mit hoher Akzeptanz für Energetics benötigt kommerzielle Charges möglicherweise nicht.
Eine stärker überwachte Behörde hingegen profitiert erheblich von ihnen.
Eine einseitige Sichtweise ist niemals zielführend — beide Varianten haben klare Vorteile.
Fazit: Improvisierte vs. kommerzielle Charges
Die genannten Vor- und Nachteile sollen helfen einzuschätzen, wo die eigene Behörde einzuordnen ist, um die richtige Entscheidung zu treffen — sei es für eine der beiden Optionen oder für beide.
Wir leben in einer herausfordernden Zeit für Law Enforcement.
Weniger „No-Knocks“ und stetige juristische sowie öffentliche Prüfung verlangen verantwortungsbewusste Entscheidungen.
Energetics können präzisionsbasiert eingesetzt werden — ähnlich wie ein kompetenter Sniper.
Damit das gelingt, brauchen wir kontinuierliche Trainingsprogramme und externes Training, das unsere Fähigkeiten ernsthaft fordert.
Bewerten Sie diese Trainings mit einer ausgewogenen Perspektive — und vermeiden Sie unkritisches „Kool-Aid“-Denken.
Hüten Sie sich vor Ausbildern, die sich über das Herabsetzen anderer definieren oder dogmatisch nur eine Methode vertreten.
Trotz meiner Erfahrung mit der Konstruktion und Detonation von tausenden improvisierten Charges habe ich großes Vertrauen in mehrere kommerzielle Varianten — und sehe darin einen klaren Trend für die Zukunft.
Lernen Sie weiter, bleiben Sie anspruchsvoll und informieren Sie sich über alle verfügbaren Optionen.



